Tagebuch einer Frühchenmami – Liegen, liegen und nochmals liegen

Im Krankenhaus angekommen, ging es der Maus zum Glück gut und es sah auch noch alles ganz ok aus. Doch die Ärzte wollten mich nicht mehr gehen lassen und ich sollte bis zur Entbindung im Krankenhaus bleiben! Mit strenger Bettruhe!!!

Normalerweise bin ich ein sehr aktiver Mensch, der es kaum schafft einen ganzen Tag still zu sitzen und jetzt sollte ich so lange wie möglich so ruhig wie möglich liegen?!? Wenn mich Jemand vor der Schwangerschaft gefragt hätte, ob ich sowas kann hätte ich das wehement verneint. Aber irgendwie ging es und aus Tagen wurden Wochen und aus Wochen schließlich Monate.

Die ersten Wochen vergingen wie im Traum. Ich habe einfach nur die Wand angestarrt! Wollte nichts machen und nichts denken. Und habe mich komplett von mir und der Schwangerschaft distanziert. Ich kann mich an diese Zeit kaum noch erinnern und weiß nur, dass immer Jemand aus meiner Familie um mich rum war und mich das Krankenhausteam so weit es geht gemieden hat. Wir alle glaubten nicht daran, dass wir die 19 Tage bis 24+0 überstehen würden und dementsprechend ausweichend waren auch immer ihr Reaktionen, wenn ich nach der Prognose gefragt habe.

Die Tage vergingen. Es kamen keine Wehen und der Maus schien es den Umständen entsprechend gut zu gehen. Entspannen konnte ich mich trotzdem nicht. Es war eher ein sehr angespanntes warten auf die Dinge, die noch kommen werden.

Und sie kamen! Bereits bei 21+4, da zu der Zeit ein Magen-Darm-Virus im Krankenhaus unterwegs war und ich ihn natürlich auch gleich bekommen musste. Mir ging es zwar richtig schlecht, aber meiner kleinen Kämpferin schien das überhaupt nichts auszumachen.

Es kamen fast täglich die Neonatologen zu mir und erklärten mir wie schlecht die Prognosen sein, wenn Sophie jetzt kommen würde. Und wir sollten entscheiden, was mit ihr geschehen sollte, wenn sie zwischen 23+0 und 23+6 kommen würde. Ich habe immer wenn ich die Neos gesehen habe angefangen zu weinen und glaubte selber nicht, dass wir es überhaupt bis 23+0 schaffen werden. Aber die Tage vergingen und bei 22+5 wurde die erste Lungenreife durchgeführt, denn man glaubt, dass es nicht mehr allzu lange halten wird.

Aber es hielt und irgendwie schafften wir es bis 24+0. Wir atmeten Alle auf, denn jetzt war die Maus schon fast 500g schwer und hatte mittlerweile ganz gute Chancen. Dieses Aufatmen hielt aber wieder einmal nicht allzu lange an, denn bei 24+2 wurde das Fruchtwasser auf einmal grün und dick. Der Ultraschall und die Blutwerte waren aber alle unauffällig!?! Die Ärzte gerieten etwas in Panik und man wartete nur noch auf die leitende Oberärztin, da sie den Kaiserschnitt durchführen sollte. Sie kam dann auch, machte nochmals einen Ultraschall und entschied, dass die Maus nicht geholt werden muss. Sie hätte anscheinend nur mit der Nabelschnur gespielt und das Fruchtwasser würde in den nächsten Stunden wieder klar werden. Und so war es auch!

Danach konnten wir allerdings die ruhigen Zeiten nicht mehr genießen, denn es konnte sich zu schnell alles ändern. Es war bereits Oktober geworden und ich hoffte, dass es vielleicht noch bis November halten würde. 11.11.11 wäre ich bei 28+0, mehr als ich am Anfang zu hoffen gewagt hätte. Bei 25+2 bekam ich dann allerdings vorzeitige Wehen, aber auch die hat das tolle Krankenhausteam super in den Griff bekommen.

Wir sind in dieser Zeit zusätzlich noch umgezogen. 130km entfernt von der Klinik, weshalb mein Mann netterweise ein Bett in mein Zimmer gestellt bekommen hat. Nachdem die kritische Zeit vorbei war amüsierten wir uns sogar über unsere WG und fingen an unser Zimmer hübsch einzurichten. Meine Eltern brachten mir meine himbeerfarbene Bettwäsche, ein paar Bilder und ganz viel zum lesen mit. Und aus ganz Deutschland kamen Aufmunterungspäckchen und liebe Grüße und Gedanken, die mir das Liegen einfacher machen sollten und für die ich sehr dankbar war!

Bei 25+0 wurde dann sogar meine strenge Bettruhe aufgehoben! Ich durfte auf Toilette gehen und einmal die Woche sogar duschen.
Tja, das durfte ich, konnte es nach der langen Bettruhe aber leider nicht mehr. Ich war noch nie sonderlich Kreislaufstabil und beim ersten Duschversuch (darauf hatte ich mich die ganzen Wochen so sehr gefreut) bin ich gleich mal Ohnmächtig geworden. Ich saß auf meinem Duschstuhl, als mich der erste Wassertropfen berührte und ich merkte, wie mir schwindelig wird. Ich konnte meinem Mann gerade noch sagen, dass er die Schwester rufen soll. Dann war es wie wenn man beim lernen einschläft und ich habe irgendwas mit Asterix geträumt. Das Nächste, an das ich mich erinnern konnte war, dass sie mich zu dritt ins Bett hievten und ich klitschnass war. Man erzählte mir später, dass ich beim Umfallen den Hebel erwischt habe und damit Alles und Jeden um mich herum unter Wasser gesetzt habe.

Das war es dann erst einmal mit aufstehen und es benötigte zwei Wochen täglicher Krankengymnastik, bis ich das nächste Mal auf Toilette gehen durfte.

Die Wochen zogen an mir vorbei. Mal schneller, mal langsamer! Und der 11.11.11 verging, ohne das Sophie geholt werden musste! Somit hatten wir auch die 29.SSW erreicht und sie war kein extremes Frühchen mehr! Ich durfte duschen und durch das Aufstehen spürte ich auch wieder meinen Bauch und fühlte mich nach sehr langer Zeit wieder schwanger. Ich habe in der Zeit auch angefangen Briefe an mein Baby zu schreiben und ihr von meinen Gefühlen und Erlebnissen zu berichten. Und ich fing an Babysachen einzukaufen, was mir ebenfalls sehr wichtig war! Und die Hoffnug stieg, dass wir es doch noch bis Dezember schaffen würden! Der Dezember war deshalb so bedeutend für mich, da ich seit Beginn der Schwangerschaft das Gefühl hatte, dass Sophie im Dezember kommen wird.

Irgendwie schafften wir es dann auch noch bis Ende November und beredeten bereits mit den Ärzten, dass Sophie wegen ihrer Beckenendlage bei 34+0 geholt werden soll, was in unserem Fall der 23.12. gewesen wäre! Aber so weit sollten wir leider nicht mehr kommen…


Nächsten Dienstag: Tagebuch einer Frühchenmami – Die Geburt oder unspektakulär kann ja Jeder!


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5 Gedanken zu “Tagebuch einer Frühchenmami – Liegen, liegen und nochmals liegen

  1. Ich fidne das Tagebuch extrem spannend und wünsche euch alles gute. Wie du schon wo anders geschrieben hast: leicht ist irgendwie langweilig. Drum kämpfen!

    Lg Annette

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  2. Vielen Dank für eure lieben Kommentare!

    @Sandra: Ich wünsche Dir alles Liebe für deine letzten offiziellen 14 Tage und Die Entbindung! Ich würde mich sehr freuen, wenn Du Dich danach mal bei mir melden würdest.
    Ich denke ganz fest an Dich und wünsche Dir alles Liebe, ela

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  3. Liebe Ela. Vielen Dank, dass Du uns daran teilhaben läßt. Die Zeit im Krankenhaus war sicherlich unvergesslich für Euch und die Gefühle die in einem vorgehen unbeschreiblich. Bin grad wirklich sehr ergriffen von Deinem Bericht. Zum Glück habt ihr die Zeit überstanden, aber vergessen kann man sie sicherlich nicht. Ich schick Dir von ganzen Herzen eine Umarmung
    lg, die Sandra (die nun noch 14 Tage offiziell vor sich hat…)

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  4. Ela, ich finde es wirklich toll, dass du das alles aufschreibst und deine Leser daran teilhaben lässt. Es wird einem wirklich ganz flau beim Lesen und ich bin froh, schon zu wissen, dass jetzt alles gut ist.

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  5. Oh Ela, zum Glück seh ich Dich schon vor nächstem Dienstag und habe so vielleicht eine Chance auf eine kleine Vorschau 😉 Unglaublich, was Ihr alles durchgemacht habt! Ich kann mir das so richtig gar nicht vorstellen und drück Dich nachträglich nochmal. Umso schöner, dass am Ende alles gut ausgegangen ist! Toll geschrieben, auch wenn das sicher nicht einfach war.

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