Tagebuch einer Frühchenmami – Die Geburt oder unspektakulär kann ja Jeder!

Montag
Die Geburt hat mehr oder weniger bereits am Montag abend, den 28. November begonnen. Da hatte ich nämlich mal wieder Wehen. Diesmal nicht so leichte Übungswehen wie sonst immer, sondern Welche, die ich richtig veratmen musste. Ich bin dann so gegen 21 Uhr in den Kreissaal gekommen und das CTG zeigte auch richtig große Wehen an. Ich war noch recht entspannt, da ich sie nicht so schlimm fand. Aber die Ärztin war anderer Meinung und mein Muttermund war bereits 3 cm geöffnet. Da unsere Maus allerdings in Beckenendlage lag, war ich der festen Überzeugung, dass ich jetzt gleich in den OP gebracht werde. Aber nein, ich bekam alle möglichen Wehenmittelchen und als die Wehen vorbei waren, wurde ich wieder auf mein Zimmer geschickt. Es wäre besser, wenn Sophie noch länger im Bauch bliebe und man könne schließlich Wochenlang mit einem offenen Muttermund rumlaufen.

Dienstag
Am Dienstag hatte ich zum Glück keine Wehen, aber dafür war Sophie in meinem Bauch sehr, sehr unruhig. Sie hat den ganzen Tag getreten und war irgendwie total aufgekrazt. Aber es sei alles in bester Ordnung und ich sollte mir keine Sorgen machen.

Mittwoch
Am Mittwoch hatte ich wieder einmal Wehen. Diese waren zwar recht stark, aber leider nicht Muttermundswirksam. Aber die vorhergehenden Tage hatten mich sehr geschafft und ich war körperlich schon ganz am Ende. Zu diesem Zeitpunkt war ich zum ersten Mal froh drüber, dass Sophie in Beckenendlage lag und definitiv ein Kaiserschnitt gemacht werden muss.

Donnerstag
Dezember!!!Wir hatten unser großes Ziel, bei dem wir alle nicht geglaubt hatten, dass wir es erreichen würden tatsächlich geschafft. Die Ärzte und auch die Schwestern erzählten uns, dass sie bei unserer Einlieferung nicht damit gerechnet hätten, dass Sophie es überhaupt schaffen würde.
Freuen konnte ich mich leider nicht drüber, da ich schon wieder leichte Wehen hatte, körperlich am Ende und Innerlich extrem unruhig war. Jeden, der in mein Zimmer reinkam versuchte ich zu überreden, dass die Kleine unbedingt geholt werden müsse. Daraufhin bekam ich allerdings gesagt, dass jeder Tag für die Maus extrem wichtig sei und sie auf keinen Fall einfach so geholt werden könne. Und selbst mein Argument, dass es für Sophie doch wesentlich besser sei sie einfach so zu holen als per Notkaiserschnitt fand leider kein Gehör. Ich weinte nur noch und war nervlich zum ersten Mal in den 10 Wochen Krankenhausaufenthalt total am Ende! Und niemand schien mich zu verstehen!

Freitag
Tja, am Freitag war ich nach der ganzen nervenaufreibenden Woche auf einmal die Ruhe selbst. Ich lag in meinem Bett, hatte keine Wehen und freute mich schon drauf die nächsten 3 Wochen hier zu verbringen und Weihnachten und Silvester mit den Schwestern zu feiern.
Nachdem ich eine ganze Packung Erdnüsse gegessen und dabei genüsslich eine Klatschzeitschrift gelesen habe, kam um Viertel nach vier eine Hebammenschülerin zum CTG schreiben zu mir. Ich telefonierte gerade mit Christian, um meine McDonalds-Bestellung bei ihm aufzugeben, als ein Papierstau meine Aufmerksamkeit aufs CTG richtete und mir auffiel wie hoch die Herzfrequenz von Sophie heute war. Da ich wegen des Papierstaus eh klingeln musste, beschloss ich die hohe Herzfrequenz auch gleich noch mit anzusprechen. Während dieser kurzen Zeit stieg ihre Frequenz allerdings immer weiter und erreichte Werte von 200. Mit der Schwester kam zufällig auch die Oberärztin zur Visite ins Zimmer und ich zeigte ihr sogleich das CTG. Daraufhin sollte ich von nun an ganz viel trinken und in einer Stunde sollte ein Kontroll-CTG gemacht werden.

In dieser Stunde habe ich nur getrunken und am Ende gedacht ich platze, was in Kombination mit den Erdnüssen zu einer gewissen Übelkeit geführt hat. So lage ich dann total nervös und angespannt in meinem Bett, als endlich das zweite CTG gemacht wurde. Es war bereits 17.30 Uhr und die Schülerin hing es wieder hin und sagte mir, dass wenn was sei ich mich nach 15 Minuten melden sollte. Als sie dann draußen war sah ich allerdings, dass die Herzfrequenz auf fast 230 gestiegen war und klingelte sofort. Einen kurzen Augenblick später kam schon die Schwester in mein Zimmer geeilt, die gerade mit der Oberärztin telefonierte, gefolgt von der bereits gerufenen Hebamme. Beide fingen sofort an meine Bettbremse zu lösen und mich in den Kreissaal zu fahren. Auf den Weg zum Kreisssaal informierte ich Christian, der sich schon vorher auf den Weg in die Klinik gemacht hatte, nur leider im Stau stand.

Im Kreisssaal wartete auch schon die Oberärztin auf mich und erklärte mir, dass sie jetzt die Kleine holen werden und dass ich eine Vollnarkose erhalten werde. Dann wurde ich flink für die OP vorbereitet und Christian kam gerade in dem Augenblick reingestürmt, als ich in den OP gebracht wurde.

Im OP warteten bereits alle auf mich und selbst der Neonatologe winkte kurz rein, als ich auch schon die Medikamente erhalten habe.

Danach kam ich immer mal wieder kurz zu mir, bis ich dann so gegen 22 Uhr komplett wach war. Christian war bei mir und erzählte mir, dass Sophie so süß sei und die Neonatologen meinten, dass sie sich super machen würde!

Nachdem uns allen klar geworden ist, dass Erdnüsse und Narkose keine so gute Kombination ist, durfte ich sogar noch am selben Abend auf die Neonatologie fahren und meine kleine Sophie zum ersten Mal sehen. Sie war so süß und hat mich mit ihren dunkelblauen Augen so angestrahlt. Sie sah, obwohl sie im Inkubator lag zu dem Zeitpunkt auch gar nicht aus wie ein Frühchen, sondern wie ein ganz normales Baby! Und sie war so süß! Ich hätte sie am liebsten sofort auf den Arm genommen, aber leider durfte ich ihr nur die Hand auflegen.

Nach einer Stunde bin ich eingeschlafen und deshalb musste ich dann aufs Zimmer, was mir sehr, sehr schwer fiel. Es war alles so unwirklich und ich konnte einfach nicht glauben, dass meine kleine Sophie jetzt tatsächlich bei uns sein soll!

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5 Gedanken zu “Tagebuch einer Frühchenmami – Die Geburt oder unspektakulär kann ja Jeder!

  1. Hallo Ela, ich wünsche dir und deiner kleinen Familie viel Kraft und Gesundheit. Das was da passiert ist, ist schon sehr viel und aufregend. Alles liebe und viel Freude mit der kleinen Melli

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  2. Das war aber eine richtig aufregende Woche für Euch, aber wunderbar, dass du so schnell reagiert hast. Und vor allem auch die Ärzte, vielleicht mochte Sophie auch die Erdnüsse nicht 🙂 und wollte endlich mal ihre Mami und ihren Papi sehen.

    LG
    Petra

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  3. Ela, die ganze Zeit lese ich Dein Frühchen-Mami-Tagebuch und jetzt gerade will ich Dich einfach nur in den Arm nehmen. So tapfer hast Du alles durchgestanden und Du bist mit einer wunderhübschen kleinen Prinzessin belohnt worden. Ich hoffe, Du kannst die schlimmen Erlebnisse und Ängste bald hinter Dir lassen und einfach nur das Glück mit Sophie und Deiner kleinen Familie genießen.

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  4. Hallo Annette,
    Vielen Dank für deine lieben Kommentare!
    Ich konnte mir das Krankenhaus leider nicht aussuchen. Wenn man zu solch einem frühen Zeitpunkt einen Blasensprung hat, gibt es nur sehr wenig Krankenhäuser, die der Rettungswagen anfahren kann.
    Lg,
    ela

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  5. Es ist ja noch eine schöne Geschichte geworden 🙂 Ich frage mich nur wie du das Krankenhaus für so eine harte Entscheidung ausgewählt hast :(? Ich habe jetzt mal über Doctoralia alle Krankenhäuser für solche Fälle rausgesucht, aber irgendwie sind das soviele und man weiß nicht so recht. Wie bist du da vorgangen.

    Alles gute euch beiden 🙂

    Lg Annette

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