Tagebuch einer Frühchenmami – Zurück ins Leben

Nachdem ich mich nachts von meiner kleinen Maus verabschieden musste ging ich zurück aufs Zimmer und versuchte vergeblich etwas zu schlafen. Das lag aber v.a. an den Schmerzen und meiner Schmerzpumpenunverträglichkeit. Sophie sah bei unserer ersten Begegnung so fit aus, sodass ich voller Optimismus ins Bett ging!

Am nächsten Morgen frühstückten wir schnell und direkt nach der Visite wurde ich mit meinem Bett auf die Neo-Intensivstation geschoben. Doch beim ersten Anblick unserer Maus bin ich in Tränen ausgebrochen und es ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Sophie hatte über Nacht stark abgebaut, starke Probleme mit der Atmung bekommen und sehr viel Wasser eingelagert. Dieses Wasser behinderte ihre Atmung noch mehr, washalb sie einen CPAP benötigte und ihr Gesichtchen so sehr aufgedunsen war, dass sie die Augen nicht mehr aufmachen konnte. Hinzu kam, dass ich mich zwar die 10 Wochen gequält habe, ihre Lunge von der Entwicklung her aber leider auf Höhe der 27. Schwangerschaftswoche stehen geblieben ist. Das war alles so schlimm und ich habe nur noch geweint, obwohl ich ihr doch eigentlich Mut und Kraft geben wollte.

Die Ärzte kamen dann und fragten mich, wie es mir ginge? Irritiert antwortete ich, dass es mir entsprechend gut geht. Daraufhin fragten sie mich, ob ich denn Schüttelfrost oder hohes Fieber gehabt hätte. Nein, noch nicht einmal meine Entzündungswerte waren erhöht gewesen. Diese Antwort verwirrte wiederum die Ärzte, weshalb sollte ich erst eine Woche später erfahren.

An diesem Tag durfte ich bereits mit Sophie kängurun, was uns Beide sehr gut getan hat. Sie war zwar nur eine handvoll Leben, aber ich spürte sofort wie viel Lebenswillen in ihr steckt und dass sie das alles packen wird! Es ging ihr auch von Tag zu Tag besser und so langsam trauten wir uns, uns zu freuen und optimistisch in die Zukunft zu schauen.

Als Sophie dann 5 Tage alt war und sie mittlerweile aus dem Schlimmsten draußen war kamen die Ärzte und berichteten uns den Grund für unseren Notkaiserschnitt!
Sophie hatte in der Zeit des Blasensprunges leider nicht annähernd so viel Fruchtwasser wie wir gehofft hatten. Dadurch hat sich die Lunge nicht richtig entwickelt und der Widerstand ist immer weiter angestiegen. Aus diesem Grund wurde die Lunge nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, weshalb Sophies Körper angefangen hat Hämoglobin in riesigen Mengen zu produzieren. Dieses hat das Blut allerdings so dick gemacht, dass es nicht mehr richtig fließen konnte und das Herz zugesetzt hat.
Diese Erkentnis hat mir nochmals einen großen Schock versetzt und ich fragte mich lange Zeit, was wohl gewesen wäre, wenn man zwei Stunden später das CTG geschrieben hätte? Hätte das ihr kleines Herzchen noch so lange mitgemacht? Ich war auf der einen Seite sehr dankbar, dass wir wieder einmal solch ein Glück gehabt haben, aber auf der anderen Seite sehr erschrocken drüber wie knapp das Alles doch gewesen ist!

Doch Sophie entwickelte sich prächtig und durfte nach ein paar Tagen immer längere Atemhilfenpausen machen. Was wohl auch daran lag, dass sie sich die Maske immer öfter selber von der Nase gezogen hat 😉

Als sie 10 Tage alt war wurde sie 130km in ein anderes Krankenhaus verlegt und ich aus dem Krankenhaus entlassen. Das war so ein großer Schock für mich und ich habe tagelang nur geweint. Ich kam im September bei schönstem Spätsommerwetter ins Krankenhaus und auf einmal war es Mitte Dezember, eine Woche vor Weihnachten. Ich sah zum ersten Mal die Weihnachtsdeko und realisierte, dass mir 3 Monate meines Lebens einfach so genommen wurden. Doch was noch schlimmer war: Ich verließ das Krankenhaus ohne mein Baby! Ich ging schwanger in die Klinik und nun musste ich es alleine wieder verlassen. Und dabei sollte ich doch erst in 2 Monaten entbinden. Das war alles so falsch und ich am Boden zerstört!
Hinzu kam, dass wir bereits vor über 2 Monaten umgezogen waren und das Krankenhaus, so lächerlich es sich auch anhören mag, mittlerweile zu meinem Zuhause geworden ist. Und jetzt musste ich auch dieses Verlassen, in ein mir bis dahin völlig unbekanntes Leben!
Und wieder einmal war es meine tolle Familie, die sich rührend um mich kümmerte und schaute, dass ich irgendwie wieder auf die Beine kam.

Doch obwohl ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, verließ ich es trotzdem nicht. Nur dass ich jetzt morgens um 8 Uhr hinging und abends um 19 Uhr wieder in die neue Wohnung fuhr. Dazwischen verbrachte ich den ganzen Tag bei Sophie und abgesehen von meinem Mittagessen wich ich nicht von ihrer Seite.
Aber sie entwickelte sich prächtig und am 24. Dezember kam sie endlich ins Wärmebettchen! Ich habe mich so gefreut und konnte zum ersten Mal mein Baby richtig auf den Arm nehmen. Ein schöneres Geschenk hätte man mir nicht machen können!

Leider gehört zu jedem Fortschritt auch irgendwann einmal ein Rückschritt, was in Sophies Fall eine Bronchopulmonale Dysplasie war. Sie benötigte mehr Sauerstoff und musste zusätzlich wasserentziehende Mittel einnehmen. Das Ganze hatte sie wieder ein ganzes Stück zurückgeworfen und dabei hatten wir doch so langsam auf Entlassung gehofft. Aber das neue Jahr kam und es sollte noch sehr lange dauern, bis wir wirklich entlassen werden konnten. Das lag v.a. daran, dass Sophie ein Baby ist, dass Alles mitnimmt, was es gibt. Zusätzlich kam noch hinzu, dass sie nach ihren Atemproblemen, die sie lange begleiteten dann auch noch Probleme mit dem Essen bekommen hat, die sie auch erst noch in den Griff bekommen musste.

Als es dann aussah, als konnte sie entlassen werden bekam sie noch einen Magen-Darm-Virus, wehalb sie nochmals eine Woche länger in der Klinik bleiben musste. Aber am 25. Januar war es endlich soweit: Sophie wurde entlassen!!!

2 Gedanken zu “Tagebuch einer Frühchenmami – Zurück ins Leben

  1. ich lese deine berichte nun schon von anfang an – jedes mal mit tränen in den augen und einem kalten schauer am rücken.
    du schreibst das so schön, dass man sich richtig hineinleben kann – auch wenn man das in dem fall nie selbst erleben möchte!
    ich wünsche euer maus alles gute!
    liebe grüße
    martina

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  2. Hallo Ela,
    ich verfolge nun schon seit ein paar Wochen immer mal wieder Deinen Blog und diese Frühchen Geschichten rühren mich immer und immer wieder. Habe oft die Tränen in den Augen. Was Du alles durch machen musstest… unglaublich. Aber Du hast es geschaft bis dahin wo ich Deine Geschichte kenne. Ich wünsche Dir alles Gute und liebe ganz viel Kraft für Deinen Alltag.

    LG Nici

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