Tagebuch einer Frühchenmami – Niemals vergleichen!

Dem heutigen Post widme ich einem sehr wichtigen, aber auch sehr schwierigen Thema. Wir Menschen, v.a. der weibliche Teil, neigen leider immer dazu zu vergleichen. Und natürlich vergleicht man sich nicht mit den vielen, vielen Menschen, denen es schlechter geht als einem selber. Nein, man vergleicht sich immer mit denjenigen, denen es besser geht.
Dieses Verhalten ist ganz normal, aber leider im Umgang mit einem Frühchen besonders schwierig.

Ich weiß noch wie verzweifelt ich in meinem Stühlchen auf der Neo-Intensiv saß und zuschaute, wie Zwillinge, die viel jünger waren als Sophie entlassen wurde. Ich saß da und hielt mein Baby im Arm und versuchte währenddessen ihr die Flasche zu geben – vergebens. Ich war so enttäuscht und sogar richtig sauer auf Sophie, weil die Babys bereits nach Hause gehen durften und bei uns war noch lange nicht dran zu denken, weil sie es einfach nicht schaffte zu trinken. Ich war so enttäuscht damals! Aber die Zwillinge hatten, obwohl sie um einiges früher auf die Welt gekommen sind, es wesentlich einfacher als Sophie. Man denkt zwar immer, dass 32. Schwangerschaftswoche doch super weit ist und es da gar keine Probleme geben sollte, vergisst dabei allerdings, dass 32. SSW nicht gleich 32. SSW ist.

Sophie wurde zwar „erst“ bei 31+0 geboren, aber ihre Lunge hatte sich aufgrund des fehlenden Fruchtwassers nicht richtig entwickeln können. Sie war irgendwo in der 27. SSW stehen geblieben und hat uns deshalb dementsprechend viel Kummer bereitet. Und gerade die Lunge ist leider ein Organ, bei dem die Medizin nicht wirklich viel machen kann. Da heißt es abwarten und hoffen, dass sie sich schnell fängt und richtig arbeitet. Ja klar, kann man Lungereifespritzen applizieren und Surfactant geben, aber Sophie hatte Ersteres zwei Mal und Letzteres sogar drei Mal erhalten und es hat nicht wirklich geholfen.

Tja, aber wenn man dort sitzt denkt man nicht dran, was die eigene Maus schon alles Tolles geleistet hat und wie verheerend die Prognose bei solch einem frühen Blasensprung ist. Nein, man sieht nur, dass die anderen Babys jetzt Heim dürfen und man hier immer noch auf unbestimmte Zeit sitzen muss. Und damit tut man nicht nur sich, sondern auch seinem Baby sehr viel Unrecht!

Aber man vergleicht nicht nur beim Nachwuchs, sondern auch sehr häufig bei sich selber. Manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Bei einem Thema fällt es mir ganz besonders schwer und deshalb vergleiche ich bizarrer Weise genau bei diesem Thema am häufigsten: Schwangerschaft!!!

Ich muss ganz offen und ehrlich zugeben, dass ich mich für Schwangere nicht mitfreuen kann. Wenn ich eine Hochschwangere treffe und sie sich bei mir über irgendwelche Wassereinlagerung ausweint, würde ich sie am liebsten Anspringen. Das geht sogar so weit, dass ich noch nicht mal mehr frage, wie weit Jemand ist. Antwortet sie nämlich 24.SSW denke ich mir:“Da lag ich bereits im Krankenhaus“. Antwortet sie hingegen 35.SSW ist mein erster Gedanke, dass ich da schon längst entbunden habe.
Aus diesem Grund murmele ich meistens ein „herzliches Glückwunsch“ in meinen nicht vorhandenen Bart und versuche so schnell wie möglich das Weite zu suchen. Nicht weil ich böse bin, sondern weil es einfach viel zu weh tut und ich total neidisch darauf bin, dass diese Person das erleben darf, was ich mir doch so sehnlichst gewünscht habe.

Ich weiß jetzt kommt von sehr Vielen: „Sei doch froh, dass Du ein gesundes Kind hast! Was willst Du denn mehr?“ Aber da frage ich Euch: Habt ihr jemals Jemanden zu einer Person, die gerade einen schweren Autounfall überlebt hat sagen hören, dass er sich doch freuen soll, dass er ihn überlebt hat??? Ganz bestimmt nicht! Ich habe Beides hinter mir und muss sagen, dass ich es sehr verwunderlich finde, dass mir die Trauer über die Schwangerschaft untersagt und mir dafür sogar ein schlechtes Gewissen eingeredet wird.

Klar habe ich ein tolles, super süßes, wunderschönes, einfach bezauberndes Baby, aber ich trauer trotzdem um eine Zeit, für die ich so sehr gekämpft hatte und die mir dann so verwehrt wurde! Ich habe immer davon geträumt mal mit dickem Bauch durch die Welt gehen zu dürfen. Wie ich genüsslich und wissend meinen Bauch streichle und mich kaum noch hinsetzen kann. Darauf habe ich mich jahrelang gefreut gehabt!

Bei Sophie habe ich es bereits geschafft nicht mehr zu vergleichen. Ich gebe ihr alle Zeit dieser Welt und wenn sie etwas erst später kann ist das kein Problem, denn sie ist meine kleine Maus und wird das in ihrem Tempo auf ihre Art und Weise meistern.
Nur bei mir muss ich das mit dem Vergleichen noch trainieren und hoffe, dass ich mich irgendwann wiedere aus vollem Herzen für Schwangere freuen kann, ohne dass es mir einen Stich ins Herz versetzt!

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