Tagebuch einer Frühchenmami – Stillen oder etwas Normalität bitte

Man hört von allen Seiten, dass Stillen sehr wichtig sei und Mütter, die nicht stillen werden häufig mit missbilligenden Blicken gestraft. Ich wollte auch stillen, unbedingt! 
Ich habe direkt nach dem Kaiserschnitt um 2 Uhr nachts das erste Mal abgepumpt und die diensthabende Schwester ist begeistert in die Neonatologie gelaufen, um die ersten Tropfen Muttermilch abzugeben. Von nun an habe ich regelmäßig abgepumpt, damit Sophie jeden Tag gute Muttermilch über ihre Sonde verabreicht bekommen kann. Zusätzlich wurde sie beim kängurun immer angelegt, damit sie sich ans trinken gewöhnen kann.

So ging es lange Zeit weiter, bis sie immer größer wurde und das erste Mal auffiel, dass sie anscheinend eine Trinkschwäche hat. Ihr ihre Portion Muttermilch über die Flasche zu geben wurde zu einem riesigen Akt, ans anlegen war nicht zu denken. Ich habe in dieser Zeit fleißig abgepumpt, da die Muttermilch ja so gut für Sophie ist und ich immer noch gehofft habe, sie doch noch anlegen zu können.

Irgendwann war Sophie eigentlich so weit, entlassen werden zu können. Konnte sie aber leider nicht, da sie immer noch nicht richtig trinken kann. Die Schwestern auf der Intensivstation bedrängten mich zwar immer, dass ich doch unbedingt Sophie anlegen soll, aber sie schaffte es nie zu trinken und mir war es irgendwann auch wichtiger, dass sie überhaupt aus der Flasche trinken kann, damit wir auch irgendwann einmal Heim gehen können.

Als Sophie endlich entlassen wurde, hatten wir bereits einen langen essenstechnischen Leidensweg hinter uns und wir hatten stets Angst, dass sie nicht genug trinkt und wieder ins Krankenhaus muss. Aus diesem Grund waren wir immer sehr froh, wenn sie ihre 70ml geschafft hat. 
Mit Hilfe unserer Hebamme wollten wir uns aber trotzdem dem Thema Stillen gezielt widmen und haben deshalb wieder vermehrt angefangen Soiphie anzulegen. Das Resultat war, dass Sophie zuerst vor Hunger geschrien hat und nach 2 Schlucke eingeschalfen ist. Es war ihr einfach zu anstrengend, weshalb sie danach auch nichts mehr aus der Falsche trinken konnte. Wir versuchten es immer wieder, aber es wurde einfach nicht besser. 

Mit der Zeit wurde auch die Milchmenge immer weniger und sie reichte zum Schluss nur noch für eine Mahlzeit am Tag. Erst durch diese geringe Menge viel uns auf, dass Sophie immer, wenn sie Muttermilch erhalten hatte starke Bauchschmerzen und Durchfall bekommen hat. 
Ich konnte und wollte es nicht wahrhaben und versuchte alles, um Sophie zum trinken zu bewegen und gleichzeitig die Milchmenge zu steigern. Aber leider half nichts! 
Ich machte mich so fertig, dass meine Hebamme und mein Mann mir irgenwann verboten haben es weiterhin zu versuchen. Das war so ein Schock für mich und ich habe nur noch geweint! Dabei hatte ich mich doch so sehr drauf gefreut und jetzt sollte mir sogar dieses kleine Stückchen Normalität genommen werden. Ich war am Boden zerstört und wollte es eine ganze Weile einfach nicht wahrhaben! 
Ich machte mir Vorwürfe, weil ich es bestimmt nicht stark genug versucht habe, Muttermilch doch so wichtig ist und Sophie sie somit nur 9 Wochen erhalten hat!

Im Nachhinein betrachte war es die richtige Entscheidung, denn wir sind dadurch alle viel entspannter geworden. Auch wenn die entsetzten Blicke der anderen Mütter immer noch sehr weh tun und man in ihrem Blick genau ablesen kann, dass sie mich für eine schlechte Mutter halten, da mein Baby „nur“ Flaschenmilch erhält.

Nächste Woche wird Sophie 5 Monate alt, das Essen ist aber noch immer ein wunder Punkt bei uns. Man muss sie noch immer dazu überreden. Babyspeck? Fehlanzeige! 

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