Tagebuch einer Frühchenmami – Tipps gegen den Krankenhaus-Kollaps

Ich werde sehr oft gefragt, wie ich es geschafft habe so lange im Krankenhaus zu liegen ohne komplett durchzudrehen. Ich muss gestehen, dass ich es selber nicht weiß! Ich bin ein sehr aktiver Mensch und wenn mir früher Jemand gesag hätte, dass ich einmal 11 Wochen im Krankenhaus verbringen muss, wäre ich schon beim Gedanke daran wahnsinnig geworden.


Nichts desto trotz habe ich es irgendwie geschafft und mir nun überlegt, was mir im Krankenhaus geholfen hat und vielleicht hilft es ja auch Jemanden von Euch in einer ganz ähnlichen Situation.


Als Erstes einmal lag es stark an dem Ernst der Situation. Hätte ich so lange wegen eines gebrochenen Beines liegen müssen, wäre ich ganz bestimmt ungeduldiger gewesen. Aber es ging um meine kleine Maus und wenn es um das Wohlergehen des eigenen Babys geht werden Kräfte frei, von denen man vorher nicht mal in seinen kühnsten Träumen geträumt hätte.


In der Anfangszeit fand ich Hörbücher ganz toll und habe den ganzen Tag mit Stöpsel im Ohr da gelegen. Das lag daran, dass ich zu diesem Zeitpunkt ja noch flach mit einem Keil unterm Popo liegen musste und einem beim Lesen nach kürzester Zeit die Arme abgefallen sind. 
Als ich dann das Kopfteil etwas höher machen durfte habe ich super viel gelesen, Bücher, Zeitschriften, einfach alles, was mir vor die Nase gekommen ist. Ich war in dieser Zeit bestens informiert dadrüber was unwichtiges in der Welt geschieht.


Sich von der Außenwelt abschirmen! Man ist sich selbst doch immer noch der nächste und wenn man solche Komplikationen zu bewältigen hat kann man sich nicht noch um das Elend dieser Welt kümmern. Aus diesem Grund habe ich in der Zeit auch keine Nachrichten geschaut und wollte auch nicht erfahren, was in der Welt gerade los ist. In dieser Zeit gingen auch irgenwelche Bilder über Tierverstümmelungen im Gesichtsbuch rum. Ich habe sie einfach übersprungen und mir gedacht, dass ich gerade keinen Nerv habe, um mich über arme Tiere und doofe Menschen aufzuregen. In dieser Situation gibt es wichtigeres, um wegen irgendwelcher Nachrichten vorzeitige Wehen zu riskieren!


Routine! Ich bin jemand, der es überhaupt nicht mag, wenn man ihn ungestylt sieht. Ich habe mich zwar in der ganzen Krankenhauszeit nicht geschminkt, aber es war mir dennoch wichtig, dass ich um 6:45Uhr, wenn die erste Infusion angehangen wurde, gewaschen und frisch angezogen dazuliegen.
Dann gab es frühstück und danach habe ich bis zur ersten Visite in mein Tagebuch geschrieben. Danach habe ich mit netter Musik (meist habe ich „Tanz der Vampire“ gehört) etwas vor mich hingedöst, während ich in regelmäßigen Abständen von Visiten, Untesuchungen, Übungen,… unterbrochen wurde. 


Kleine Rituale einführen! Ich hatte abgesehen von meinem routinierten Alltag auch noch kleine Rituale eingeführt, die ich täglich wiederholte und mir immer wieder Kraft gaben. Zum Beispiel hörte ich beim CTG immer das Lied „Wir sind am Leben“ von Rosenstolz. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut wenn der Teil mit „Ich kann deinen Herzschlag hören, niemand wird dich zerstören“ höre. Denn in diesem Augenblick habe ich immer tatsächlich den Herzschlag meiner kleinen Kämpferin gehört!


Es sich gemütlich machen, egal wo man sich befindet! Angefangen hat es damit, dass mir meine Mami am zweiten Tag zwei Bilder und ein Plüschtierchen für mich mitgebracht hat. Naja, und geendet hat es mit meinenm eigenen Bettzeug, einem Kühlschrank im Bad und einem komplett dekoriertem Zimmer 🙂
Das hört sich zwar jetzt so an, als wäre ich total durchgeknallt, aber das war einer der Hauptgründe, warum ich es so lange so gut im Krankenhaus ausgehalten habe. Dieses triste weiß auf weiß hätte ich bestimmt nach ein paar Wochen nicht mehr ausgehalten, aber die vielen frohen Farben taten mir einfach gut. Und ich war im ganzen Krankenhaus bekannt als Frau A., mit dem rosanen Bettzeug 😉


Mein tolles Umfeld! Ich war sehr überrascht, wie viele Menschen an uns gedacht haben. Wir haben dann sogar angefangen eine Liste zu erstellen, mit den Namen der Leute, die an uns denken. Und wir sind auf weit mehr als 200 Namen gekommen!
Zusätzlich habe ich fast täglich Briefe und Päckchen erhalten, über die ich mich immer wahnsinnig gefreut und die ich mir immer wieder angeschaut habe. Ich habe alles in eine große Box getan, um es Sophie eines Tages zeigen zu können. Damit sie sieht wie viele liebe Menschen an sie gedacht und  geglaubt haben!

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