Tagebuch einer Frühchenmami – Fordern oder überfordern

Hallo, 


es freut mich sehr, dass Ihr wieder bei mir vorbei schaut! 

Heute möchte ich über ein Thema schreiben, dass mich seit Kurzem beschäftigt. Es hat damit angefangen, dass ich vor ein paar Tagen auf einem Beikostseminar war und dort ein paar Mütter und ihre Babys nach etwas längerer Zeit wieder gesehen habe. Die eine Mutter von ihnen ist mir bereits bei den vorhergehenden Kursen aufgefallen, weil ihr Baby, das ein paar Wochen jünger ist als Sophie, immer alles besser und schneller kann.  



So erzählte ich ihr damals freudestrahlend, dass Sophie zum ersten Mal gegriffen hat. Daraufhin erklärte sie mir, dass das ihre Kleine ja schon sooo lange kann und zusätzlich kann sie noch das und jenes. Dann meinte ich, dass das gut sein kann, da Sophie auch eher so die Aufmerksam ist, die immer alles gezeigt bekommen möchte und gerne redet. Tja, das macht ihr Kind ja natürlich auch und das sei ja gar nichts besonderes.


Ich war damals bereits verwundert, was für ein Super-Baby ihre Tochter doch ist. Bei diesem Seminar habe ich dann allerdings gedacht ich sehe nicht richtig. Die kleine Maus kam mit ein paar sehr süßen Schühchen an und gerade als ich mir überlegte, ob die nicht auch was für Sophie sein (sie hat erst 4 Paar 😉 ) passierte es! Sie lag gerade friedlich auf dem Boden, als sie von ihrer Mutter meines Erachtens recht rabiat hochgezogen und auf die Beinchen gestellt wurde. Und so musste die kleine Maus dann minutenlang verharren, während ihre Mutter uns erklärte, dass sie ja schon jetzt anfängt zu laufen und so ein begabtes Kind sei!!!

Dieses arme Baby kann eigentlich noch nicht mal alleine sitzen und muss jetzt bereits laufen lernen, um es ja vor Allen anderen zu können! Ich war zu tiefst entsetzt, aber auf der anderen Seite machte mich diese sehr engagierte Mutter auch etwas nachdenklich.


Während Sophie in der Krabbelgruppe mit anderen Babys um die Wette robbt, besucht die kleine Elvira (Name von der Redaktion geändert 😉 ) vielleicht bereits irgendwelche Wirtschaftskurse für Windelträger. Während Sophie ihr Stoffbuch ansabbert, bekommen anderen Babys dieser Welt den Wirtschaftsteil der FAZ vorgelesen. Es gibt ja bereits die unglaublichsten Kurse für Babys, aber weiß man es? Nicht das in diesen Kursen wirklich die Elite dieser Welt vereint wird und man als Unwissender es später kaum noch schafft rein zu kommen.


Ich möchte eigentlich, dass Sophie eine unbeschwerte, glückliche Kindheit verbringt. Sie darf mit anderen Babys umherkrabbeln, manchmal wird sie auch massiert und v.a. ganz oft geknuddelt. Sitzen?!? Das kann sie dann, wenn sie es möchte und wir lassen uns gern von ihr und ihrer Geschwindigkeit überraschen. Ganz ohne Druck, so hatten wir uns das vorgestellt. Aber dafür mit sehr viel Spaß und Liebe! Und wenn sie etwas nicht hinbekommt? Dann scheuen wir nicht davor uns neben sie zu legen und es ihr einfach zu zeigen – das hat auch schon beim rollen geklappt! Und ich muss gestehen, dass ich als Baby gern auf dem Boden saß und Dreck gegessen habe! Und trotzdem ist etwas aus mir geworden!!!


Naja, so sehe ich die Sache. Aber was ist, wenn Sophie in 20 Jahren auf mich zukommt und mir vorwurfsvoll erklärt, dass ich ihr Leben versaut habe?!? Einfach dadurch, dass ich sie nicht dazu angehalten habe, Dinge zu können, die sie noch gar nicht können kann. Oder sie nicht in die passenden Kurse angemeldet habe?!?


Ich hoffe einfach mal, dass das nicht eintreffen wird und bis dahin genieße ich es einfach mit ihr die Welt zu erkunden. Sophies Welt in Sophie Geschwindigkeit!


Liebe Grüße,
Eure ela

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10 Gedanken zu “Tagebuch einer Frühchenmami – Fordern oder überfordern

  1. Hi Ela!

    Endlich komme ich mal wieder dazu in deinem Blog zu lesen. War einige Ziet nicht hier und Du warst ja sehr fleißig 😉

    Jaja, solche Mütter triffst Du überall! Die haben immer so Wunderkinder!!! Da rein – da raus – sag ich da nur…
    Ich hab Robin auch alles in seinem Tempo machen lassen und zwinge ihn zu nichts und war – Gott bewahre – auch nicht beim Pekip… Und Dreck fressen macht er auch mit Leidenschaft 🙂
    Ich mag diesen Leistungsdruck überhaupt nicht und jedes Kind hat seine Stärken und Schwächen (außer die Super Kinder natürlich), so konnte Robin früh laufen und spricht dafür noch nicht…so what?
    Du machst das schon richtig!

    Liebe Grüße

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  2. Oh Ela, du sprichst mir aus der Seele. Kenn das auch gut, dieses Vergleichen und mein Baby kann dies aber schon und jenes und überhaupt *augenroll* Vor allem, wer entscheidet denn schon was normal ist ? Meine Nachbarin ? meine Freundin ? Irgendeine andere Mutter ? Nein, die Kinder entscheiden das, sie haben ihr eigenes Tempo und nur weil das eine schon 2 Wochen früher richtig greifen kann wird es ein Einstein 😉 Meist ist es doch so, dass jedes Kind etwas besonders gut und schnell kann, dafür ist es in anderen Dingen langsamer – ja und …

    Ich finde ihr macht das toll, einfach das Kind entscheiden lassen wann es wozu bereit ist und öfter mal auf Durchzug schalten was andere mütter und deren Kinder angeht 😉

    lg, die Sandra

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  3. oje, ela, solche mütter wie die eine aus dem seminar sind echt die schlimmsten!!! ich hab immer versucht, möglichst großen abstand zu solchen müttern zu halten und sie zu ignorieren (wenn das überhaupt möglich ist *ggg*). die kinder von solchen müttern haben es ihre ganze kindheit lang schwer (wenn nicht sogar ihr ganzes leben lang), weil sie immer alles besser können MÜSSEN. echt arm, die kleine!
    ich finde es viel wichtiger, den kindern die geschwindigkeit zu lassen, die sie eben brauchen.
    lg martina

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  4. Vielen Dank für Eure vielen lieben Kommentare!
    Ich freue mich auch immer, wenn ein anderes Baby etwas super schnell und toll kann. Aber ich findes es immer eigenartig, wenn ein Kind grundsätzlich Alles früher un besser als andere Kinder kann. Und wenn ich dann noch sehe wie dieses arme Baby in eine Position gezwungen wird für die es noch viel zu jung ist, dann macht mich das sehr traurig. Und das arme Kind tut mir sehr leid!

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  5. Ela, Du hast ganz Recht und ich seh das genau wie Du! Jedes Kind hat sein eigenes Tempo und ich weiß noch, wie ich mich gestresst hab, als Sebastian das umdrehen erst relativ spät lernte. Völlig umsonst, wen interessiert es jetzt noch, ob er sich mit 4, 5 oder 6 Monaten gedreht hat? Und genauso wird es mit vielen anderen Sachen auch sein. Mir ist es lieber, unsere Kinder wachsen als glückliche kleine Menschen auf, deren Tag nicht schon jetzt von früh bis spät verplant ist. Und ich bin mir sicher, dass Dir Sophie deshalb sicher niemals Vorwürfe machen wird :))

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  6. Liebe Ela,

    ich habe einen Sohn (1 3/4 Jahre) und eine Tochterkind (3 Monate).
    Damals beim Sohnemann war ich in einer Krabbelgruppe und stolz wie Oscar als ich gesehen habe wie fortgeschritten Er schon ist gegenüber Andere und Ich musste (So wie die beschriebene Mutti) es, vor stolz!, immer aus mir heraus posaunen. Man ist soooo stolz beim Ersten, auch beim Zweiten, jedoch weiß man schon was die Entwicklung durchmacht. Ich hab mich dann selber erwischt was für eine stolze Mama ich doch bin und hab mich dem entsprechend gezügelt. Also es liegt wirklich nicht an Dir oder der Mutti, das sind die Glückshormone ;P
    Ja und solche Glückshormone sprudeln einfach aus einem heraus.
    Jedoch möchte ich diese Mutti auch nicht in Schutz nehmen (kenn Sie ja nicht) denn was dann anschließen kam, find ich ja sehr dreist!!!
    Meine Schwägerin ist Physiotherapeutin und als Sonemann sehr wenig gekrabbelt ist und gleich laufen wollte, war ich sehr besorgt, denn das Krabbeln, erklärte Sie mir, stärkt die Muskulatur im Rücken. Sie sagte aber auch, solange Er das von sich aus selber „überspringt“ ist das in Ordnung aber erzwingen sollte man dies nicht.
    Sehr froh bin ich, dass ich hier in Norwegen, diesen hohen Leistungsdruck nicht habe. Es ist alles sehr harmonisch und unbeschwert. Ich erziehe doch keinen Roboter heran, es sind immer noch kleine Lebewesen und deshalb liebe Ela, finde ich, mach Dir nicht zu viele Gedanken über, WAS WÄRE WENN, genieße diese Zeit. Und wenn Du dich auch mal falsch entscheiden solltest, man kann immer wieder den richtigen Weg finden *zwinker*

    Liebe Grüße Sabrina

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  7. Liebe Ela!
    Ich kann mich den vorangehenden Kommentaren nur anschliessen: Man ist- beim ersten Kind- leicht zu verunsichert, weil man es einfach nicht besser weiss. Aber: Die Liebe, Geborgenheit und Sicherheit, die du/ihr eurer Kleinen gebt, sind bestimmt 1000x mehr wert, als irgendwelche -in meinen Augen sinnlose- superwirtschaftskursefürwindelträger!!! Eher wird so ein Baby nach 20Jahren zu seiner Mutter gehn und ihr den Vogel zeigen…!
    Ihr macht das schon richtig! Nur die Mama weiss, was für ihr Kind am besten ist!
    Alles Liebe und lass dich nicht unterkriegen!
    Bettina H.

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  8. Ich persönlich finde es ganz schlimm was für einem Leistungsdruck schon Babys und Kleinkinder ausgesetzt werden. Ich hoffe, dass da irgendwann auch mal wieder der Gegentrend kommt und man Kinder einfach mal Kinder sein läßt. Natürlich weiß man nie, was die Zukunft (dem Kind) bringen wird, aber wie du schon schreibst: wir sind doch auch groß geworden ohne das sich unsere Eltern solch einem Stress ausgesetzt haben…
    Was ist wirklich wichtig für ein Kind?? Für mich sind es Liebe und Geborgenheit, Zeit und Aufmerksamkeit, ein Dach über dem Kopf und was zu Essen. Nur weil Kinder als besonders lernfähig gelten, heißt das ja nicht, dass man ihnen gleich in den ersten drei Lebensjahren alles Wissen dieser Welt eintrichtern muß. Im Gegenteil es gibt durchaus auch Studien, dass Kinder, die ihr Leben lang immer irgendwelchem Druck ausgesetzt waren, irgendwann einfach nicht mehr können (Burn out) oder einfach anfangen zu rebellieren, weil sie keine Lust mehr haben kleine Erwachsene zu sein.
    Ihr macht das schon richtig. Lieber auf den eigenen Bauch als auf irgendwelche überdrehten Mamis hören 🙂
    Liebe Grüße

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  9. Liebe Ela
    Folge einfach deinem Instinkt und du machst es goldrichtig.Ich habe mich zuerst auch verunsichern lassen von solchen Super-Mamis , glaube mir mit der Zeit wendet sich das Blatt und die bekommen ihre
    Rechnung präsentiert.
    Mein Motto lautet was für Familie X gut ist ist noch lange nicht gut für Familie Y oder Familie Z.
    Liebe Grüße
    Melanie

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  10. Ela, sehr gut und schön geschrieben !
    Oh ja, dieses Vergleichen ist teuflisch, aber so wie ich dich kennen gelernt habe, förderst du Sophie genau so, wie sie es braucht – da wird in 20 Jahren kein Vorwurf kommen 🙂 Jedes Kind und jede Mutter ist anders…
    Liebe Grüße!

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