Tagebuch einer Frühchenmami – Immer diese Angst

Ihr kennt sie bestimmt: Die Angst, dass mit den eigenen Mäusen irgendwas sein könnte!

Normalerweise bin im Hause Fliederfee ich diejenige, die bei irgendwelchen Wehwehchen die Ruhe behält, während Herr Fliederfee am Liebsten schon in die Notaufnahme gefahren wäre.
Aber leider gibt es immer wieder solche Vorfälle, bei denen ich komplett fertig bin und die mich wegen meines Hintergrundwissens glaube ich oft mehr belasten als meinen lieben Gatten.

Ich denke, dass gerade die Mamis, die mit ihren Kleinen gleich zu Beginn ihres Lebens viel durchmachen mussten, was gesundheitlichen Auffälligkeiten der Kleinen anbelangt für den Rest des Lebens gezeichnet sind.

Diese Angst der ersten Tage verlässt einen befürchte ich nie, auch wenn man vielleicht jahrelang nicht dran denkt. Aber sobald unsere Kleinen was haben müssen wir an die ersten Tage denken und die große Angst, dass doch etwas zurückgeblieben ist, macht sich automatisch breit.

Ich dachte mir von vornherein, dass mein 30. Geburtstag nicht sonderlich erfreulich sein würde, aber als dann beim Abendessen unsere kleine Maus zusammengebrochen ist, war für mich alles gelaufen. Wir haben sie uns geschnappt und sind sofort mit ihr in die Klinik gefahren, während in meinem Hirn alle Differentialdiagnosen und Horrorsenarien abgelaufen sind.

Zu allem übel musste mein Handy die ganze Zeit wegen irgendwelcher Anrufe oder Nachrichten vibrieren, da mir Jeder zum Geburstag gratulieren wollte.
Ich durchlitt wegen Sophie so viele Sorgen und Ängste und alleine die Vorstellung, dass mir jetzt irgendjemand zum Geburtstag gratulieren möchte und mir gar alles Gute wünschen möchte, hat mich innerlich aggressiv werden lassen. Wie können die Leute mir nur föhlich zum Geburtstag gratulieren wollen, während es meinem Liebling so schlecht geht!

In der Notaufnahme war dann zum Glück die super liebe Ärztin, die uns bereits bei Sophies 1. Krankenhausaufenthalt betreut hatte und uns schon kannte. Aber auch das konnte mich  nicht beruhigen, als es hieß, dass Sophie und ich erst einmal in der Klinik bleiben sollten. Wegen Verdacht auf Epilepsie!

Also blieben wir da und aus einer Nacht wurden ganz schnell 2 Nächte, bevor wir endlich beruhigt und mit lauter unauffälligen Testergebnissen nach Hause gehen durften. Juhu, es wurde nichts gefunden und so langsam fing man an sich einzureden, dass da ja gar nichts gewesen sei und dass man mit der Fahrt ins Krankenhaus völlig übertrieben reagiert hätte.

Mit diesen Gedanken verbrachten wir einen wunderbar friedlichen Abend und einen schönen Morgen bis auf einmal so gegen 11 Uhr das Telefon klingelte. Ihr könnt Euch bestimmt vorstellen wie ich mich fühlte, als sich am anderen Ende die Kinderklinik meldete, um mir mitzuteilen, dass das EKG unserer Maus auffällig gewesen sei. Wir sollten uns keine Sorgen machen, aber die rechte Herzkammer sei vergrößert, weswegen Sophie zum Kinderkardiologen muss.

Ok, ja klar, da mach ich mir natürlich keine Sorgen! Nein, ich doch nicht! Ich mache mir keine Sorgen, sondern sitze völlig aufgelöst auf der Toilette und weine mir die Seele aus dem Leib! Sorgen machen? Wie kommen die denn nur dadrauf? Denn auf einen Schlag sind die tief vergrabenen Ängst der Anfangstage wieder da. Die Ängste, die wir hatten, als wir erfuhren, dass Sophies Herz kaum noch schlagen konnte, weil es durch einen riesigen Thrombus völlig zugesetzt war. Und wir uns fragten, wie lange das arme Herzchen das noch mitgemacht hätte, wenn die Notsectio erst ein paar Stunden später gewesen wäre?!?
Und dann die andere Angst, als sich Sophies Lunge durch das sehr frühe fehlen von Fruchtwasser nicht entwickeln konnte und sie nach der Geburt diese starken Schwierigkeiten mit der Lunge hatte.

Für uns waren das alles Ängst von damals, von vor einem Jahr. Aber auf einmal fängt man wieder an sich zu fragen, ob ihr armes Herzchen das Ganze doch nicht so gut überstanden hat wie gehofft. Oder ob sich die Lunge doch nicht so gut entwickelt hat. Dabei lebten wir ein Jahr lang in der großen Illusion, dass Sophie das Ganze völlig unbeschadet überstanden hat – wie durch ein Wunder!

Wir haben uns jetzt für uns drauf geeinigt, dass es bestimmt was mit ihrem Frühchensein zu tun hat. Dass durch die verzögerte Lungenentwicklung ihr rechtes Herzchen zu stark belastet wurde und es noch nicht genügend Zeit hatte, um sich zu normalisieren. Das ist zwar recht unwahrscheinlich, aber wir möchten es zum jetzigen Zeitpunkt einfach so glauben und hoffen.
Denn Hoffen ist das Einzige, was wir zum jetzigen Zeitpunkt tun können!

4 Gedanken zu “Tagebuch einer Frühchenmami – Immer diese Angst

  1. Liebe Ela,

    ich bin erst vor kurzem auf Deinen Blog gestoßen.

    Deine Frühchen-Mami Berichte haben mich tief bewegt. Ich bin selber eine Frühchen-Mami und deine Berichte zu lesen, ist wie in einen Spiegel zu schauen und ich fühle mich irgendwie verstanden, es gibt jemanden, dem es auch so geht. Der nicht nur Halleluja singt, sobald die ersten Nöte überstanden sind, dem ebenfalls alles wieder hochkommt.

    Viele liebe Grüße
    Elise

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  2. oje, ela, da war dein Geburtstag ja wirklich nicht gerade erfreulich und ich trau mich gerade gar nicht, dir alles gute dazu zu wünschen. wisst ihr denn nun schon näheres bzgl. des auffälligen Ergebnisses? ich drück euch ganz fest die Daumen, dass die Diagnose letztendlich nicht so schlimm ist.
    ach ja: das mit den Ängsten kenne ich leider auch zu gut. ich hatte zwar keine Frühchen, aber meine kleine musste mit ein paar Wochen wegen eines gefährlichen keimes im ohr ins Krankenhaus, der im schlimmsten fall zum Tod hätte führen können. sie wurde auch lange von mir in watte gepackt und ich bin bei ihr immer noch viel vorsichtiger als bei unserer großen, die von demher immer sehr „robust“ war.
    vlg Martina

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  3. Liebe Ela,
    auch ich habe kein Frühchen, habe mit meinen beiden auch nichts Schweres durchmachen müssen, aber dafür habe ich selbst mit einigen Krankheiten zu kämpfen. Deine Sophie macht mir den Eindruck eines starken Mädchens – sie ist eine Kämpfernatur weil sie genau bei euch leben will. Vertrau auf den starken Willen deiner Tochter.
    Die Angst kann dir sicher niemand nehmen, aber wir können dir vielleicht ein kleines bischen dabei helfen, dass du nicht von ihr beherrscht wirst.
    Herzlichste Grüße
    Birgit

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  4. Ach liebe Ela,
    ich habe zwar keine Frühchen aber wenn ich deinen Bericht so lese leide ich mit dir mit.
    Meine Kinder sind schon erwachsen und gesund und doch habe auch ich immer mal wieder Sorgen um sie.
    Was mir dabei immer am meisten geholfen hat und mich auch ein wenig ruhiger gemacht hat in den sorgenvollen Stunden, war beten.
    Ich weiss es löst die Situation damit nicht auf aber ich bekam dadurch oft genau die Ruhe die ich sonst nicht gehabt habe.
    Ich bete und glaube ganz fest daran, dass wenn Gott eure kleine Maus bis heute so gut beschützt hat, Er auch einen speziellen Plan für sie hat und euch alle durch die schweren Stunden trägt.
    Vertraut auf Ihn.
    Liebe Grüsse
    gaby

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